Aussendung Herbst 2024

Aussendungen
6. Oktober 2024

Liebe Mitglieder! Sehr geehrte Interessent*innen!

Nähe und Distanz in der Sterbebegleitung

Wenn Sie einen geliebten Menschen – sei es ein Familienmitglied oder einen Freund – in schweren Zeiten begleiten, kennen Sie das schwierige Zusammenspiel von Nähe und Distanz. Sie wollen da sein, doch wie können Sie helfen, ohne sich selbst zu überfordern?

Die Begleitung eines kranken oder sterbenden Angehörigen ist emotional intensiv. Vielleicht  fragen Sie sich manchmal: „Wie halte ich das aus?“ Viele glauben, man müsse Distanz wahren, um nicht selbst zu sehr mitzuleiden. Aber ist das wirklich der richtige Weg?

Nähe ohne Überforderung

Wenn Sie einem Familienmitglied oder einer nahestehenden Person in einer schweren Zeit beistehen, werden Sie wahrscheinlich von intensiven Gefühlen der Nähe und Verantwortung ergriffen. Es ist vollkommen normal, diese Nähe zu spüren – schließlich bedeutet Ihnen dieser Mensch viel. Doch gerade diese emotionale Verbundenheit kann auch überwältigend sein.

Es ist verständlich, sich für die geliebte Person verantwortlich zu fühlen. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Ihre Unterstützung wertvoll ist, Sie aber nicht die gesamte Last alleine tragen müssen. Andere Familienmitglieder, Freunde oder sogar professionelle Helfer können ebenfalls eine wichtige Rolle übernehmen. Wenn Sie sich erlauben, Verantwortung zu teilen, wird es Ihnen leichter fallen, die Balance zu finden.

Grenzen spüren und respektieren

Grenzerfahrungen sind Teil der Begleitung. Ihr Angehöriger oder Ihre nahestehende Person kann manchmal rücksichtslos oder verzweifelt wirken. Die Offenheit und manchmal auch die Verzweiflung, die Sterbende zeigen, können Sie als belastend empfinden. Vielleicht wirkt die Person, die Sie begleiten, egozentrisch oder rücksichtslos, doch das ist oft Ausdruck ihrer eigenen Angst und Hilflosigkeit.

Sie als Mensch sind gefragt

Was zählt, ist nicht nur Ihre praktische Hilfe, sondern Ihre emotionale Präsenz. Die andere Person spürt, ob Sie wirklich da sind oder ob Sie sich um oberflächliche Situationen kümmern. Diese emotionale Nähe kann für Sie beide sehr heilsam sein, aber sie kann auch schmerzhaft sein. Es ist in Ordnung seine Gefühle zu zeigen, egal wie sie aussehen, z. B. durch Weinen. Deshalb ist es wichtig, sowohl auf die eigenen Bedürfnisse und Grenzen als auch auf die des Gegenübers zu achten, um in der Situation einfühlsam und kraftvoll agieren zu können.

Wie können Sie gut für sich selbst sorgen?

Wenn Sie einen Angehörigen oder eine nahestehende Person in einer schwierigen Zeit begleiten, geraten Ihre eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund. Doch gerade jetzt ist es entscheidend, dass Sie gut für sich selbst sorgen. Hier ein paar Anregungen, die Ihnen dabei helfen können, im Gleichgewicht zu bleiben:

  • Beziehungen pflegen: Der Austausch mit Freunden und anderen kann helfen, emotionale Lasten zu teilen.
  • Offenheit und Freundlichkeit bewahren: Diese Einstellung schützt vor Verbitterung.
  • Bewegung für Körper und Geist: Das hält nicht nur körperlich, sondern auch seelisch gesund.
  • Den eigenen Körper annehmen: Dies hilft, sich nicht zu überfordern.
  • Zweifel zulassen: Offen bleiben für andere Meinungen schützt vor starren Denkmustern.
  • Empathie und Toleranz: Diese Fähigkeiten fördern Mitgefühl und verhindern Arroganz.
  • Anerkennen, was nicht änderbar ist: Das sorgt für mehr Gelassenheit.
  • Glaube: Für viele gibt der Glaube an eine höhere Macht Halt, ohne sich selbst als allmächtig empfinden zu müssen.

Denken Sie daran: Sie sind nicht allein. In der Begleitung eines geliebten Menschen können Sie sich auch Unterstützung von anderen holen, z.B. die Ehrenamtlichen des Hospizvereins Scheibbs und es ist kein Zeichen von Schwäche, das zu tun. Wenn Sie gut auf sich selbst achten, können Sie für die Person, die Ihnen am Herzen liegt, noch besser da sein – und das ist das Wichtigste.

Terminvorschau:

Jeden dritten Dienstag im Monat findet von 18:00 – 20:00 Uhr die Trauergruppe „Zeit für meine Trauer…“ im Büro des Hospizvereins im Pflege- und Betreuungszentrum Scheibbs statt. Bei Interesse melden Sie sich bitte telefonisch bei der Koordinatorin Regina Blümel 0664 868 74 47. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Am Dienstag, den 03. Dezember 2024 findet von 16:00 – 20:00 Uhr der Letzte Hilfe Kurs im Pfarrhof in Oberndorf/Melk statt. Bei Interesse Anmeldung bitte direkt bei Gerhard Rötzer 0664/411 29 19 oder rga14@gmx.at.

Zuletzt dürfen wir Sie noch höflich um Einzahlung Ihres Mitgliedsbeitrages für das Jahr 2024 ersuchen. Wir freuen uns über jede finanzielle Unterstützung und danken für Ihr Interesse am Hospiz­verein Scheibbs.

Mit herzlichen Grüßen

Mag.a Dr.in Helga Zellhofer eh.                                        Regina Blümel, MSc eh.                
Obfrau                                                                                         Koordinatorin